Terra Preta - von Menschen gemachter Humus

Auf Einladung der NABU Umweltwerkstatt Wetterau kamen am vergangenen Sonntag bei sommerlichem Wetter in einem Kleingarten in Echzell-Gettenau über 20 Teilnehmer zusammen, um in der Praxis die Herstellung einer Art „Wundererde", der Terra Preta, zu erlernen.
Gleich zu Beginn setzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Teewasser auf. Als Heizquelle diente ein Pyrolyseofen, in dem aus pflanzlichem Material hochwertige Pflanzenkohle hergestellt wird. Der Friedberger Pflanzenkohlespezialist Andreas Frank erklärte die Funktion eines solchen Ofens anschaulich, während sich das Wasser über der qualmfreien Flamme erwärmte.
Gemütlich in der Sonne sitzend und bei einer Tasse Tee lauschten die Teilnehmer anschließend dem Bericht vom Frank Uwe Pfuhl über das Geheimnis der fruchtbaren Böden entlang des Amazonas. Während über 2500 Jahren reicherten indigene Völker vermutlich durch intelligenten Umgang mit ihrem Abfall die nährstoffarmen tropischen Böden so an, dass sie Gartenbau im Urwald betreiben und somit die Ufer des Amazonas besiedeln konnten. Es entstand die sagenumwobene Terra Preta, ein von Menschen gemachter fruchtbarer Dauerhumus. Terra Preta speichert hohe Mengen an Nährstoffen, Wasser und organischem Kohlenstoff in Form von fein verteilter Holzkohle. Die relativ große Oberfläche der Holzkohle nimmt darüber hinaus viele Mikroorganismen auf, die zusammen mit anderen Bodenorganismen organisches Material ab- und aufbauen.
Nach diesem Ausflug in die Geschichte zeigte Frank Uwe Pfuhl, wie mit Hilfe eines speziellen Eimers aus Küchenabfällen wertvoller Humus, Bokashi genannt, für den Garten hergestellt werden kann. Bokashi ist ein durch zugefügte Mikroorganismen fermentierter Kompost. In den Eimer dürfen alle Küchenabfälle wandern, selbst Milchprodukte und Fleisch. Alles sollte zerkleinert sein, um den Mikroorganismen eine möglichst große Oberfläche zu bieten. Schichtweise wird gut festgedrückt, Mikroorganismen samt anorganischem Gesteinsmehl oder Holzkohle werden dazugegeben und der Eimer luftdicht verschlossen. Dies verhindert ein Faulen der Abfälle und begünstigt die Gärung durch die zugegebenen Mikroorganismen. Nach zwei Wochen ist der Bokashi fertig. Er sollte wie Sauerkraut, also nach Milchsäure, riechen und kann direkt in das Gartenbeet gegeben werden oder den Gartenkompost aufbessern. Zusätzlich kann die entstehende Flüssigkeit verdünnt als Dünger verwendet werden.
Inzwischen war das Pflanzenmaterial im Pyrolyseofen verkohlt. Andreas Frank kühlte mit Wasser und konnte die frisch hergestellte Pflanzenkohle gleich verwenden. Denn als nächstes wurde ein Gartenkomposter aufgebaut, der auch zugleich fachmännisch beschickt wurde. Im Unterschied zu anderen Methoden des Kompostierens wurde dieser Komposthaufen festgetreten und mit Wasser befeuchtet, in das Mikroorganismen gegeben worden waren. Als Zwischenschicht streute Andreas Frank die frisch hergestellte zermahlene Pflanzenkohle aus.
Bokashi und Holzkohle können eine weitere Verwendung in einem Hochbeet finden. Aus vorbereiteten Brettern wurde die Einfassung für ein Hochbeet auf Kaninchendraht gestellt und mit Reisig befüllt. Es folgten hilfreiche Tipps, wie ein Hochbeet angelegt und zum Quadratgärtnern genutzt werden kann.
Aufgrund der großen Nachfrage wird der Kurs voraussichtlich im Spätsommer in Friedberg wiederholt.