Tieren im Winter auf der Spur

Wanderung im Bad Nauheimer Wald brachte viel Interessantes zu Winterschläfern, Winterruhern und Winteraktiven, ermöglichte anschauliche Naturbegegnungen und vermittelte Einsichten in ökologische Zusammenhänge zwischen Tieren und Pflanzen.

Trotz des seit Tagen ungewissen Wetters folgten am Samstag, dem 30. November, mehr als zwanzig Teil­nehmerinnen und Teilnehmer  einer Einladung der Umweltwerkstatt Wetterau an die Weberhütte auf dem Johannisberg – und sie wurden durch einen sonnigen Spaziergang belohnt: NABU-Naturführerin Veronika Pigorsch hatte zusammen mit Henning Stahl einen Waldrundgang für Jung und Alt vorberei­tet, der in kurzweiliger Form vertiefte Ein­sichten über das Leben der hiesigen Tiere und Pflan­zen in der bevorstehenden vierten Jahreszeit vermit­teln konnte.

Nach der Begrüßung durch Veronika Pigorsch und ihrer Einführung in die Thematik entdeckte die Gruppe bereits auf dem ersten kurzen Wegabschnitt Verbissspuren des Rehwildes an niedrigen Sträu­chern und fand in der rauen Rinde von Douglasien und Eichen einige „Schmieden“ von Kleibern. Angelockt von Tonaufnahmen ihrer Rufe, die Hen­ning Stahl abspielte, kamen diese putzigen Klettervö­gel dann in die Baumwipfel rund um den Römerturm geflogen und antworteten „live“ auf die Tonauf­nah­men; Ähnliches gelang mit einigen Eichelhä­hern.

Mit Feuereifer gingen dann Kinder und Eltern an ein von Veronika Pigorsch entwickeltes „Detektiv­spiel“: Welches Tier hatte die mitgebrachten Fichten­zapfen und Nüsse bearbeitet? Mit Hilfe eines Anleitungs­bogens fanden alle schnell heraus, wie unterschied­lich Buntspecht, Eichhörnchen oder Maus die Früchte verändert hatten und welches Fundstück somit wel­chem Tier zuzuordnen war.

Als dann der Weg bergab führte, entdeckten vor al­lem die Kinder Mauselöcher unter Baumstümpfen und zahlreiche Spuren der „Arbeit“ von Bunt- und Schwarzspecht. Lobend machten die NABU-Führer darauf aufmerksam, dass die Forstleute hier schon weitgehend „naturgemäß“ wirtschaften: Abgestor­bene Bäume werden nicht weggeräumt, sondern als„Spechtbäume“ und „Insektenhotels“ stehen gelas­sen; die „Wurzelteller“ umgestürzter Bäume bieten Brutmöglichkeiten für Wildbienen und Unter­schlupf­möglichkeiten für weitere Kleintiere. 

Das im Wald verbleibende Astwerk gefällter Bäume bildet vielerorts große natürliche Reisighaufen und damit Rückzugs-, Überwinterungs- und Nahrungs­möglichkeiten für zahlreiche Tierarten. 
Dieser im Wald belassene „Bestandesabfall“ erlaubte der Wandergruppe anschauliche Einsichten in die je nach „Kleinklima“ unterschiedlich erfolgende Um­wandlung von Ästen, Stämmen und Baumstümp­fen in wertvollen Humus; dabei konn­ten Pigorsch und Stahl an vielen Objekten die Mit­wirkung der Pilze und der verschiedenen Insekten­larven erläu­tern.

Auf der „Apfelwiese“ erfuhr die Gruppe von einem mitwandernden NABU-Mitglied aus Bad Nauheim, dass innerhalb des Ortsverbandes dieser Naturschutz­organisation durchaus Meinungsunter­schiede zur Pflege dieses wertvollen Streuobst-Bio­tops bestehen: Während einige Mitglieder die Schnitt­flächen an den Bäumen mit Plastikkappen aktiv schützen, um die Bäume möglichst lange er­tragreich zu erhalten, se­hen  andere es lieber, wenn solche Schnittstellen offen bleiben, durch die einset­zende Verwitterung die „Arbeit“ der Spechte erleich­tert und damit die An­zahl natürlicher Baum­höhlen  erhöht wird, um zahl­reichen kleineren Tieren wertvolle Brut- und Unter­schlupfmöglich­keiten zu bieten.

Bis auf ein Reh zeigten sich zwar keine größeren Wald­bewoh­ner an diesem Morgen, sie hatten aber viele Spuren ihrer Anwesenheit zurückgelassen: „Bet­ten“ und „Fegestellen“ des Rehwildes wurden ebenso entdeckt und erläutert wie „Brechstellen“ und „Suh­len“ von Wildschweinen – und nicht zu­letzt fanden sich auch „Trittsiegel“ und „Losung“ einiger Arten.

Auch hier verstanden es die Mitglieder der Umwelt­werkstatt Wetterau, durch mitgeführte Fotos und Bildtafeln bei Kindern wie Eltern ein vertieftes Ver­ständnis für diese und viele weiteren Fundstücke anzubahnen. Zum Ausklang bekamen Veronika Pigorsch und Henning Stahl herzlichen Beifall für ihren umsich­tig geplanten Naturspaziergang und ihre fachkun­digen Erläuterungen unterwegs, und alle Teilneh­merInnen starteten gut gelaunt in das erste Advents­wochen­ende.

Einige Fotos der Veranstaltung finden Sie hier